Schöner Wohnen:Orga-Prozess

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Organisierungsprozess

Dieser Text ist ein Diskussionsentwurf von Falk, der gern erweitert werden kann und soll. An strittigen Punkten bitte nicht einfach löschen oder überschreiben, sondern die Diskussionsseite nutzen.

Dieses Projekt verfolgt einen utopischen Ansatz, der sich irgendwie mit "herrschaftskritisch" oder "emanzipatorisch" umschreiben lässt, was aber noch nicht viel aussagt. Es soll ein "Offener Raum" sein, ein Experimentierfeld für utopische Organisierungsprozesse und Umgangsweisen sowie Reibungsfläche mit der Normalität. Dabei sollen gewohnte Denkmuster und Handlungsweisen zum Teil komplett in Frage gestellt und andere - herrschaftsfreie bzw. sich diesem Ziel annähernde - Ansätze vermittelt und ausprobiert werden.

Schon im Projektansatz steckt jedoch ein wesentliches Problem: diejenigen, die diese (zum Teil ja sehr utopische) Idee verfolgen und den Anspruch haben, sie auch wirklich umzusetzen, haben sich überdurchschnittlich stark mit Herrschaftskritik, Selbstorganisation und Methoden auseinandergesetzt. Die Zielstrebigkeit, mit der sie sich auf die Realisierung der Projektidee zubewegen, wirkt auf Unerfahrenere oder weniger stark dazu motivierte Personen unter Umständen ausschließend, elitär, nicht-offen. Sollte sich aus den hohen Ansprüchen der Projektbeteiligten aus der Startphase ergeben, dass Andere sich gar nicht dazutrauen oder keine Lust darauf haben, wäre das Gegenteil des eigentlichen Ziels (Offenheit, Horizontalität) erreicht - ein komplexer, hochprofessioneller und gut ausgerüsteter Bereich, der nur von Wenigen genutzt und gestaltet wird.

Allerdings wäre es auch wenig sinnvoll, emanzipatorische und auf Realisierung ausgerichtete Ansprüche abzulegen, um diesem Problem zu begegnen. Wahrscheinlich wird es sowohl eines gezielten Kommunikationsprozesses mit bisher "Außenstehenden" als auch wohlüberlegter Transparenzschaffung bedürfen. Beides birgt Probleme in sich, die sowohl theoretisch/abstrakt als auch praktisch durch Erproben im Alltag zu bewältigen sein werden. Unüberlegte Transparenz kann schnell zu einer Informationsflut führen, die auch nicht mehr Durchblick, sondern Orientierungslosigkeit schafft (die JUKSSe der letzten Jahre sind mit ihren unzähligen und noch immer nicht ausreichend praktikabel strukturierten Infowänden ein gutes Beispiel für Nicht-Wissen aufgrund von Informationsflut). Ebenso kann die Kommunikation darüber, wie das Projekt offen gestaltet werden kann, nicht einseitig von den InitiatorInnen geführt werden, weil sich damit die Hierarchien im Wissen und Wirken weiter verfestigen würden.

Offene Organisierungsgruppe?

Da machen sich sofort einige praktische Fragen auf. Zum Beispiel: ist die jetzt an der Projektvorbereitung aktive Gruppe "offen" und lädt alle Interessierten (offensiv) dazu ein, zusammen an dem neuen Projekt zu arbeiten? Oder wollen die hier wirkenden Leute einen engeren Organisierungsprozess nicht mit "allen", sondern mit individuell ausgesuchten Personen führen, mit denen sie eine angenehme Arbeitsatmosphäre haben? Die "Atmosphäre" hat häufig Auswirkungen auf die Motivation und das Engagement der Beteiligten, weswegen es sinnvoll sein könnte, keinen Zwang zur "offenen Orgagruppe" zu schaffen. Aber hierzu müsste (zuerst?) mal ein Austausch stattfinden.

Es ist naheliegend, dass die Unterstützung aller Interessierten willkommen ist und dass solche Hilfestellungen sogar notwendig sein werden, damit das Projekt entstehen kann. UnterstützerInnen sollen aber nicht die Rolle von Hilfspersonal bekommen - das setzt bestehende Kompetenzgefälle und Hierarchien von Handlungsmöglichkeiten fort und manifestiert sie womöglich auch in diesem Projekt. UnterstützerInnen sollen sich auch über ihre einzelne Handlung hinaus gleichberechtigt in das Projekt einbringen können.

Schon im Vorbereitungsprozess wäre vorstellbar, dass Individuen und Gruppen autonom und im Austausch miteinander mitwirken, so dass gar kein Zwang zu kollektiven Handlungen und Entscheidungen entsteht. Dann können diejenigen, die gerne was miteinander machen bzw. überlegen wollen, dieses tun. Zum Teil geschieht dies gerade schon, indem sich Einzelne verabreden. Die neuen Ideen und erledigten Arbeiten bzw. neu entstandene Aufgabenfelder müssen nun transparent gemacht werden. Dies ist eine Herausforderung an Kommunikation, die sich durch dieses Projekt nicht neu ergibt, sondern auch bei anderen horizontalen Organisierungsprozessen (z.B. "selbstorganisierte" Seminare) besteht. Allerdings wurde sie bisher noch nicht befriedigend gelöst.

Momentan werkeln aber nur einige Wenige an diesem Projekt herum und die beschriebenen Ansprüche dieser Menschen vermitteln manchen Außenstehenden ein Gefühl von Geschlossenheit. Es wird also erstmal sehr stark an der Initiative der schon Beteiligten liegen, zu vermitteln, dass bzw. wie sich auch andere Menschen einbringen können. Im Prinzip könnte damit schon die Vorbereitungsphase des Projekts etwas vom Charakter Offener Räume haben: Eine dezentrale Organisierung, mit viel Kommunikation und Transparenz, ohne Kollektivbewusstsein und ohne festgelegte Entscheidungsstrukturen. Dafür aber steigendes Konfliktpotential mit steigendem Interesse Anderer, das auf kreative emanzipatorische Lösungen "wartet". Letztlich führt bereits die - offensichtlich notwendige - Vermittlung der Projektidee im Zusammenspiel mit dem offensiven Einladen zur Beteiligung zur Verbreitung und möglicherweise auch zur Diskussion der Idee Offener Räume und horizontaler Organisierung.

Kommunikation und Transparenz

Bisher gibt es keine extra Mailingliste für das Projekt. Unter anderem deshalb, weil das Anlegen solcher Listen häufig dazu geführt hat, dass bewusst oder unterbewusst Kommunikation und Information innerhalb von Projekten sich auf diese dann verlagert und häufig sehr stark auch darauf reduziert haben. Leider meistens mit dem Ergebnis, dass nur einige Leute aktiv beteiligt waren. Auch wenn viele gesagt haben, dass sie es OK finden, weiter per E-Mail zu kommunizieren, zeigt die Erfahrung in "unseren Kreisen", dass eine weiterführende Organisierung in diesem Medium kaum gelingt. Internet und Computer sind immer noch Medien, die nicht allen Menschen angenehm sind bzw. nicht von allen ohne weiteres "beherrscht" werden. Diese Personen sind dann schnell von der Kommunikation und den Informationsflüssen abgeschnitten.

Diese Probleme müssen sich aber nicht zwangsläufig aus der Nutzung von E-Mail-Listen und Wiki-Seiten ergeben. Aber: ein bewusster und aktiver Umgang mit der Problematik ist notwendig. So sollte geklärt werden, welche der interessierten Personen über welche Medien gerne kommunizieren (das schließt persönliche Treffen mit ein) und wie sie da erreichbar sind. Gesprächsverläufe und -ergebnisse, die nicht allen bekannt sind, sollten dann auf den verschiedenen Wegen weitervermittelt werden. Das kann bedeuten, dass ein Protokoll ins Wiki gestellt wird, eine Mail mit dem Link und dem Hinweis darauf an die Mailingliste geht und einzelne Leute, die das bestenfalls auch so schonmal miteinander abgesprochen haben, diejenigen telefonisch, per Post oder bei persönlichen Treffen informieren, was da steht.

Es könnte immer wieder informelle Treffen von Projektbeteiligten am Rande von Seminaren und anderen Begegnungspunkten geben, über die dann weiter informiert wird. Daneben telefonieren einige Leute miteinander und besprechen Dinge bzw. treffen Absprachen, andere agieren alleine und machen auch das transparent. Ab und zu - wenn der Bedarf gesehen wird - findet auch mal ein Treffen in größerer Runde statt. Alles wird im Wiki dokumentiert und darüber hinaus in Form von ausgedruckten Textsammlungen auch den nicht computerisierten Leuten zugänglich gemacht. So könnte eine schon wesentlich buntere Kommunikation aussehen.

Problematisch ist momentan noch, dass für die Transparenz (im Sinne von Dokumentation) das Internet der praktikabelste Ort ist und diejenigen, die damit nicht gerne arbeiten, benachteiligt und möglicherweise ausgeschlossen sind. Sobald es das Projekthaus gibt, könnten (und sollten) dort auch nicht-virtuelle Informationsorte geschaffen werden. Möglicherweise kann hier schon ein Austausch mit Ideen aus dem NomadInnen-Netzwerk geschehen. Dort gab es den Vorschlag, Handbücher mit wichtigen Infos an den jeweiligen Projektorten anzulegen.

Offenheit für Neues

Das Projekt sollte von Anfang an so entworfen werden, dass es genug Platz (räumlich und ideell) für neue, noch nicht eingebundene Ideen und deren Umsetzung gibt. Das bedeutet, dass in allen wesentlichen Bereichen - Standortsuche, Objektsuche, Ausbau, Organisierungskonzept etc. - Potential für weiteres mitgedacht werden muss. Klar hat das auch Grenzen da, wo die (wenigen) Aktiven sich unverhältnismäßig stark verausgaben müssten für etwas, was eben noch nicht da ist und wofür sich dann auch Andere einsetzen sollten.

Diese Offenheit entsteht allerdings auch erst dadurch, dass sie kommuniziert wird und diejenigen, die sie nutzen könnten, davon erfahren. Das bedeutet, dass möglichst frühzeitig mitgedacht werden sollte, was und wie die Beteiligten über das Projekt "nach außen" kommunizieren. Hier sind Idee gefragt...

Utopien entwickeln

Vieles ist noch reichlich undurchdacht, manche Ideen gibt es schon, sind den hier Beteiligten aber noch nicht bekannt, und über die meisten Fragestellungen darüber, wie die Einzelnen konkret mit bestimmten Konfliktsituationen umgehen wollen würden, wurde sich noch nicht ausgetauscht. Einen Kommunikationsprozess darüber zu führen - der nicht mit dem Hausausbau beendet sein kann - erscheint mir sinnvoll, um dieses Projekt umzusetzen. Einen Anfang sehe ich in den Gesprächen, die wir bei den Treffen auf dem JUKSS und in Magdeburg geführt haben und in den Texten zu einzelnen Aspekten, die im Wiki bereits verlinkt wurden. Ich möchte mich aber auch grundlegend darüber austauschen, welche Vorstellungen bei anderen hier aktiven Leuten bestehen, welche Utopien in den Köpfen herumgeistern und welche Ideen es gibt, diese umzusetzen. Und ich möchte kritisch hinterfragen, Situationen ansprechen, die im Hier & Jetzt immer wieder auftreten und unter herrschaftskritischen Gesichtspunkten anders als bisher gehandhabt werden müssten. Dabei werden schnell Widersprüche sichtbar, für die ich Lösungsansätze entwickeln möchte.

Im Moment organisieren Maria und ich ein Utopien-Seminar, das sowohl Grundlagen-Charakter haben soll, als auch zur Entwicklung von Organisierungsansätzen dienen kann. Ich fände es gut, diese Veranstaltung als Anlass zu nehmen, mehr übereinander zu erfahren und in einen kritischen Austausch über unsere individuellen Utopien zu treten. Wenn es Leute gibt, die sich in die Vorbereitung dieses Seminars einbringen wollen, ist das auch schön. Mehr dazu gibt es auf der Wiki-Seite http://herrschaftsfreie-welt.de.vu. Das Seminar findet vom 13. bis 16. September in Magdeburg statt. Ab 10. September soll vor Ort schon die Vorbereitung der Räume und Organisierung von Lebensmitteln losgehen. Früher kommen lohnt sich also (im Sinne von "selbstorganisierte Veranstaltung").