Wochenende der Offenen Tür - Kurzbericht

Aus Schöner Wohnen
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Vom 7. bis 9. Dezember fand in Braunschweig ein erstes "Wochenende der Offenen Tür" am geplanten Haus im P1pp3lw3g 69 statt. Das sollte InteressentInnen ermöglichen das Gebäude und Grundstück mal zu sehen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Es war außerdem ein Termin, der von einem "unserer" Architekten für eine genauere Hausbesichtigung genutzt wurde und auch von verschiedenen Leuten mit Erfahrungen in der Sanierung solcher Gebäude in Eigenarbeit wahrgenommen wurde, um uns Tipps zu geben. Vor allem am Freitag Abend und Samstag Abend gab es da einige spannende Gespräche und Ideen für die weitere Vorgehensweise.

Für die Hausbesichtigung waren verschiedene Materialien vorbereitet worden: Eine Kurzinfo zum Projekthaus, ein Werbeflyer für die geplante Zukunftswerkstatt im Januar, ein Rückmelde-Zettel für Projektinteressierte und eine Materialmappe für die Hausbesichtigung. Letztere war gefüllt mit Raumplänen und Papieren, um eigene Ideen einzutragen oder Hinweise auf problematische Stellen im Haus zu geben. Und auch mit Platz für Tipps zu Gratisquellen für Baumaterialien oder selbstorganisierten Sanierungsarbeiten. Genutzt wurde die Mappe leider nur von wenigen. Die meisten Leute wollten sich erstmal nur einen Einblick verschaffen. Das ist angesichts der Größe und auf den ersten Blick auch Unüberschaubarkeit des Gebäudes verständlich. Es bedeutet aber auch, dass wir weitere Schritte unternehmen sollten, um solche - möglichst konkreten - Tipps, die uns unabhängiger von Geld und kommerziellen PlanerInnen machen können, zu erhalten.

Insgesamt nutzten das "Wochenende der Offenen Tür" etwa 30 Personen. Darunter die zwei Architekten aus Magdeburg und Braunschweig, mehrere Fachleute, Leute vom Jugendumweltpark (2), von den Ökoscouts (2), vom AStA der TU (1), von Greenpeace (2), den Falken (1), aus dem Nexus-Umfeld (2) und von der Kunsthochschule (2) sowie sonstige Interessierte (6). Außerdem nutzten diese Gelegenheit einige der bundesweit verstreut lebenden bisherigen Projektbeteiligten (6) und weitere Leute mit Erfahrung in der Sanierung derartiger Gebäude in Eigenarbeit (2). Die Beteiligung der Menschen von vor Ort hängt gewiss nicht unwesentlich mit den Projektvorstellungen in den entsprechenden Gruppen in den Tagen vor dem Wochenende zusammen.

Die Gespräche führten zu einigen Verabredungen zu weiteren Treffen, um Kooperationen zu besprechen. An der geplanten Zukunftswerkstatt zeigten mehrere Personen Interesse und sagten auch zu weitere Werbung für diese zu machen. Zwei Leute besichtigten das Haus mit dem Blick auf eine mögliche Raumnutzung und entwarfen einen neuen Raumplan, der auch die Zusammenlegung bisheriger Räume, die Umnutzung des Innenhofs und die Vereinigung eines Teils des Kellers mit einem Teil des Erdgeschosses vorsieht. Diese Raumpläne sollten in nächster Zeit mit den anderen Planungen abgeglichen und mit weiteren Menschen diskutiert werden. Rund um die Besichtigungen gab es einige konkrete Gespräche über Möglichkeiten der Sanierung in Eigenleistung; dabei enstanden einige gute Ideen für die weitere Vorgehensweise.

Zur Orientierung im Haus war überlegt, mit Kreide und Kreppklebeband Markierungen anzubringen, die auch schon Hinweise auf mögliche zukünftige Nutzungen enthalten sollten. Es zeigte sich aber, dass dies nicht in der Kürze der Zeit zu schaffen war. Lediglich die drei Treppenhäuser wurden derart gekennzeichnet, was schon erheblich zur Orientierung in diesem großen Gebäude beitrug. Die Zeit, die nicht mit Führungen gefüllt war, genügte nicht, um weitere Markierungen und genaue Raumaufnahmen zu machen. Es wird also noch weiterer Besichtigungen bedürfen.


Inhaltsübersicht


Veranstaltungsverlauf

Das "Wochenende der Offenen Tür" begann am Freitag um 12.00 Uhr mit den ersten Besichtigungen und endete gegen 17.30 Uhr. Zuvor gab es eine erste Ortsbegehung bereits am Mittwoch Nachmittag. Danach fanden offene Gespräche zwischen Projektbeteiligten und weiteren Interessierten in der Volxküche der Falken im Sub (Kuhstr. 28) statt. Am späteren Abend gab es außerdem ein Treffen einiger Projektbeteiligter mit dem Braunschweiger Architekten.

Die ersten Besichtigungen starteten am Samstag um 11.30 Uhr; dieser Besichtigungstag endete gegen 17.00 Uhr. Ab 19.00 Uhr fand dann ein Treffen der Projektbeteiligten statt, bei dem es um konkrete Umbaumaßnahmen, die Reflexion des bisherigen Gruppenprozesses, den Bedarf an einem Projekthaus wie dem geplanten und Möglichkeiten sowie Grenzen der Umsetzung ging. Alle diese Themen konnten nur angerissen werden; konkrete Ergebnisse gab es dabei kaum. Ein weiteres Treffen beim diesjährigen Jugendumweltkongress in Berlin ist im Gespräch.

Der Sonntag wurde mit der ersten Besichtigung um 10.00 Uhr begonnen. Gegen 16.30 Uhr endete das "Wochenende der Offenen Tür".

Es war insgesamt eine sehr anstrengende, aber auch motivierende und ergebnisreiche Zeit. Nun wird es einige Tage dauern, all die Gespräche und Ergebnisse auszuwerten und weitere Schritte einzuleiten. Nächste Aktivitäten sollten baldmöglichst starten. Feedback auf das Wochenende und die hier vorgestellten Ergebnisse ist erwünscht.

Dachzustand

Der bauliche Zustand des Daches ist besser als befürchtet. Schäden in den Decken des Dachgeschosses und des 2. Obergeschosses deuten darauf hin, dass das Dach an diversen Stellen Regen ins Haus gelassen hat, der zu erheblichen Zerstörungen führte. Diese Stellen wurden offensichtlich (provisorisch) nachgebessert. Inzwischen ist an diesen Stellen - auf den ersten Blick - keine weitere Substanzverschlechterung zu erkennen. Stattdessen gibt es neue Stellen, an denen Wasser eindringt. Am Freitag Nachmittag gab es einen heftigen Regenguss, nach dem Tropfstellen an mindestens zwei neuen Orten zu entdecken waren. Eine davon befindet sich im Dachgeschoss nahe der Bodenluke zum hinteren (kleinen) Dachteil. Dort tropfte das Wasser durchs Dach durch den Dachboden durch die Decke bis ins Dachgeschoss hinein. Das Dach wies an dieser Stelle ein so großes Loch auf, dass ein Mensch hindurchschlüpfen könnte. Dieses "Leck" wurde im Zuge der Besichtigung provisorisch repariert, da eine weitere erhebliche Substanzschädigung in kürzester Zeit zu befürchten war.

Abgesehen von diesem einen großen Loch im Dach wurde ein weiteres, etwas schwieriger zu flickendes in einer Giebelecke entdeckt, das später behoben werden muss. Daneben gibt es nach oberflächlicher Inaugenscheinnahme keine großen Lecks mehr, sondern nur unzählige kleinere Lücken, die aber vor allem für Stürme anfällig sein dürften, aber nicht problematisch in Bezug auf Regeneindringen. Die (notdürftige) Reparatur des Dachs dürfte mit verhältnismäßig wenig Aufwand durch ein oder zwei fachliche Kompetente Menschen und mit Unterstützung durch wenige weitere Leute machbar sein. Vor allem Mörtel müsste dazu noch organisiert werden.

Nach Einschätzung mehrerer Fachleute befindet sich der Dachstuhl augenscheinlich in gutem Zustand. Von schweren Schädigungen sind vor allem die Zwischendecken von Dachgeschoss und zum Teil 2. Obergeschoss betroffen, wo lokal begrenzt kompletter Austausch notwendig sein wird.

An einigen Stellen fehlen die Dachrinnen oder sind nicht mehr korrekt befestigt. Das muss ebenfalls schnellstmöglichst behoben werden, kann aber wahrscheinlich auch ohne spezielles Baugerüst und von wenigen Leuten (von denen einige das nötige Know-How haben müssen) erledigt werden.

Diese Not-Instandsetzung müsste überwiegend von innen möglich sein (kein Gerüst nötig), für den Fall der Fälle sollte aber auch damit gerechnet werden, dass nochmal jemand aufs Dach klettern muss. Die Fachmenschen sollten sich darauf also einstellen und entsprechende Gurte etc. mitbringen. Vor dieser Reparaturmaßnahme sollte eine Besichtigung mit Fachleuten an dieser Stelle zur Vorbereitung und Klärung von Zeitaufwand, personellen Notwendigkeiten und Materialbedarf erfolgen.

Fenster

Das Haus umfasst alte und neue Fenster (EG: 24 Altfenster + 16 neue Fenster; 1. OG: 8 Altfenster + 19 neue Fenster; 2. OG: 7 Altfenster + 18 neue Fenster; DG: 20 neue Fenster - Zahlen laut Modernisierungsgutachten, diese Angaben müssten noch einmal mit der Realität abgeglichen werden). Letztere sind bereits mit modernen, die aktuellen Standards mit Anforderungen an Lärmschutz und Isolation erfüllenden, Doppelglasfenstern versehen. Doch insgesamt ist von beiden Sorten nur noch wenig unzerstört erhalten. Selbst die Fenster in den oberen beiden Geschossen sind zum großen Teil eingeworfen worden und müssen repariert oder ersetzt werden.

Für die Instandsetzung der Fenster wurden drei Varianten diskutiert, die sich im wesentlichen im verwendeten Material unterscheiden. Es handelt sich jeweils nur um provisorische Maßnahmen, die weitere Witterungen abhalten sollen und dazu beitragen sollen die Bausubstanz zu erhalten und das Haus auszutrocknen:

  1. Holzplatten: von außen Holzplatten an die Fensterrahmen aufschrauben und zuvor den so entstehenden Hohlraum mit Wolle ausfüllen (zur Dämmung). Nachteile: Räume sind komplett unbelichtet, relativ undicht, muss baldmöglichst komplett ersetzt werden.
  2. Einfachglas: Fensterrahmen ausbauen, zerstörtes Glas entfernen, neues Einfachglas einsetzen. Dazu müsste Altglas organisiert werden und dann zugeschnitten und eingebaut werden. Das ist eine relativ einfache Arbeit, die mensch sich recht schnell aneignen kann und letztlich vor allem Fleißarbeit bedeutet. Vorteil: Diese Fenster können in der weiteren Sanierung erhalten bleiben und zu Kastenfenstern mit hohem Wärmeschutz ergänzt werden.
  3. Plastik: Statt Holzplatten werden einfach Plastikplatten (Plexiglas o.ä.) von außen aufgeschraubt (mit geringem Abstand zum Rahmen, damit Kondenswasser nicht am Rahmen herunterläuft und diesen schädigt) werden. Auch diese Platten könnten bei Firmen organisiert werden. Eine noch einfachere Variante verwendet stattdessen stabile Baufolie, wie sie auf vielen Baustellen und an vielen Gerüsten zu finden ist. Diese könnten dann mit Leisten an die Rahmen genagelt oder mit Kleber befestigt werden. Nachteil: Diese Varianten sind nicht so dicht und müssen letztlich auch komplett ersetzt werden. Vorteil: im Gegensatz zu den Holzplatten kommt Licht in die Räume und diese könnten notdürftig genutzt werden.

Eine diskutierte Vorgehensweise war die Fensterreparatur im Rahmen eines internationalen Workcamps. Dabei könnte eine Arbeitsgruppe an diesem Bereich arbeiten. Dies sollte nach Einschätzung von einem Selbstorga-Profi nicht länger als eine Woche am Stück dauern, da diese Arbeit (Variante 2) stupide und auf Dauer psychisch belastend sei. Hier könnten sich mehrere parallel arbeitende Arbeitsgruppen jede Woche abwechseln.

Kellertrockenlegung

Hier besteht der größte Klärungsbedarf. Bisher ist noch nicht sicher, woher die Feuchtigkeit und das Wasser im Keller wirklich kommt. Dazu sollten baldmöglichst die vorliegenden Gutachten gezielt durchgearbeitet und weitere Informationen angefordert werden. Hierzu gab es den Hinweis von Geoökologie-StudentInnen, dass es flächendeckende Untersuchungen z.B. zur Grundwassersituation im Fachbereich gibt. Wahrscheinlich müssen noch weitere Sondierungsbohrungen von der Stadt verlangt werden, da diese als EigentümerIn hier verantwortlich ist. Die entsprechenden Verhandlungen müssen noch vor dem Kauf erfolgen. Erst die umfassende Klärung der Wasserzutritte in den Keller ermöglicht eine sinnvolle Erarbeitung eines Konzepts zur Kellertrockenlegung.

Relativ sicher ist aber, dass große Mengen Schlamm aus dem Keller geschafft werden sollten und dass eine Isolierung der Grundmauern bis zur Bodenplatte nötig ist. Dazu muss das Fundament freigelegt werden und mehrere Schutzanstriche mit Isolierschichten und Gewebematerial vorgenommen werden. Zuletzt muss ein physischer Schutz dieser Isolierung angebracht werden. Zu überlegen ist auch, ob es eine Drainage um das Fundament geben sollte. Das wird sicherlich auch von den Grundwasseruntersuchungen abhängen.

Diese Arbeiten werden sehr viel Arbeitskraft, die aber sehr einfach von unerfahrenen Menschen erbracht werden kann, erfordern. Welche Maßnahmen neben der Isolierung und Entschlammung nötig sind, kann erst nach den Untersuchungen der Wasserzutritte geklärt werden.

Derzeit stehen nur noch wenige Bereiche "unter Wasser" (das war vor einiger Zeit noch anders, da war der Wasserstand höher). Dort, wo das der Fall ist (im Bereich von Treppenhaus II und III), stehen bis zu zwei Zentimeter Wasser in den Räumen. Der restliche Keller ist überwiegend nur noch "feucht", teilweise auch staubtrocken.

Die Raumaufteilung, wie sie dem Modernisierungsgutachten zu entnehmen ist, trifft im Kellerbereich überwiegend nicht auf die Realität zu. Es sind hier völlig neue Räume geschaffen worden, neue Wände und neue Durchbrüche. In einem Raum stehen alte Wasserbehälter, die möglicherweise zur Heizung gehörten. In einem weiteren, nur von außen mit einem gesonderten Schlüssel zugänglich ist der Heizungskeller, in dem zwei alte Wannen der ursprünglichen Heizanlage neben zwei moderneren, aber auch defekten Heizkesseln liegen. In diesem Raum befindet sich auch ein "Schacht" (Vertiefung von vielleicht 30 Zentimetern), der mit Wasser gefüllt ist und in der zwei Pumpen stehen, die aber nicht in Betrieb sind. Von diesen führt ein Schlauch durch ein Rohr in den außerhalb befindlichen Drainageschacht.

In einem angrenzenden Raum befindet sich ein großer quaderförmiger Heizöltank, der diesen Raum fast völlig füllt. Die vorhandene Heiztechnik im Keller muss aller Voraussicht nach komplett entsorgt und ersetzt werden. Die "neueren" Heizkessel könnten möglicherweise notdürftig wieder in Betrieb gesetzt werden, es ist aber fraglich, ob Aufwand und Nutzen in einem sinnvollen Verhältnis stehen - nicht zuletzt aufgrund der hohen Heizölpreise.

"Schutthalde" Hauskomplex

In eigentlich allen Etagen befinden sich große Mengen Zivilisationsmüll - Bierdosen, Papiermüll, alte gammlige Klamotten und mehr. Dazu kommen zerstörte Sanitäranlagen, Fensterscheiben und ähnliches sowie natürlich jede Menge Staub und Dreck. An einigen Stellen sind auch Decken oder Wände beschädigt und haben einigen Schutt produziert, der ebenso wie völlig unbrauchbares Möbiliar entfernt werden müssen. Diese Abfälle werden voraussichtlich mehrere Bauschuttcontainer füllen. Hier könnten sowohl die Stadt nach kostenloser Bereitstellung und Abholung dieser Container gefragt werden (ist ja in deren Interesse, dass das Haus belebt wird) als auch der Abfallentsorgungsbetrieb Alba. Letzterem könnte auch angeboten werden, die Abfälle bereits zu sortieren, so dass dieser Arbeitsschritt bei denen entfällt.

Das Herausschaffen dieses Schutts kann im Prinzip jederzeit geschehen, wird aber auch sehr viel Zeit und Kraft kosten. Es hängt kaum etwas davon ab, dass dies schon im ersten Jahr geschieht, ist aber letztlich trotzdem notwendig und kann zwischendrin immer wieder gemacht werden.

Kunstprojekt

Eine Kunststudentin brachte die Idee, das Haus für Kunstprojekte zu nutzen. Inspiriert wurde diese Idee u.a. durch die beeindruckenden Spinnenweben in den unteren Räumen. Die Bauphase, die sich ja über längere Zeit hinziehen wird, könnte sehr gut genutzt werden, um hier einzelne Kunstprojekte (auch Performance-Kunst) unterzubringen. Das wäre nett, weil damit eine künstlerische Ebene aufgemacht würde und auch, weil es Öffentlichkeit für das Projekt und damit möglicherweise neue und breitere Unterstützung bedeuten kann.

Weiterführende Gespräche müssten dazu im Frühjahr geführt werden.

Bauwochen im Sommer 2008

Mit verschiedenen Leuten (Architekten, Fachleuten, Selbstorga-Erfahrenen und sonstigen Interessierten) gab es Gespräche über eine realisierbare Instandsetzung der ersten wichtigen Bereiche Dach, Fenster und Keller (Trockenlegung). Darüber gab es wie kaum anders zu erwarten sehr unterschiedliche Auffassungen. Konsens schien letztlich zu sein, dass diese Arbeiten im wesentlichen in Eigenarbeit zu bewältigen sind, dass diese aber sehr zeitintensiv sind. Wie dies konzeptionell geschehen soll, sehen manche Personen unterschiedlich. Die Architekten würden am liebsten sehen, dass sie vorgeben wie die Arbeiten umzusetzen sind und es klare Absprachen über diese Arbeitsprozesse mit ebenso klaren Verantwortlichen gibt. Andere Menschen, die vor allem Erfahrung mit der Sanierung großer Altbauten in kompletter Eigenarbeit haben, meinen, dass diese Arbeiten weniger hierarchisch organisiert werden könnten und nicht alles von vornherein umfassend konzipiert sein müsste. Die von den Architekten beschriebene Vorgehensweise würde sie eher abschrecken und könnte dazu führen, dass es weniger Unterstützung von ihnen gibt (das würde die Sanierung in Eigenarbeit in Frage stellen, da viel Hilfe gebraucht wird, und im besten Fall dazu führen, dass nun fast alle Arbeiten kommerziell beauftragt werden müssen - aber auch dieses Geld müsste beschafft werden; die Probleme würden nicht weniger, sondern sich von praktischen Arbeiten auf den Finanzierungsprozess verlagern). Es wird gewiss schwierig werden diese gegensätzlichen Auffassungen zusammenzubringen. Aber diesbezüglich ist die Entwicklung des Projekthauses auch eine Experimentierbaustelle.

Worum es im ersten Schritt unumstritten geht, ist die Rettung der Bausubstanz und erste Instandsetzungsmaßnahmen. Es geht hier also noch nicht um die weiteren Sanierungsschritte, die z.B. die Dämmung, Raumneuordnung, Heizungssystem, Solaranlagen etc. umfassen werden. Für diese können auch ganz andere Planungskonzepte verwendet werden. Die erste Sanierungsphase könnte aber eine Probephase sein, um mit Organisierungsansätzen zu experimentieren und Erfahrungen für die nächsten, größeren Bauabschnitte zu sammeln.

Am sympathischsten erscheint mir (Falk) folgendes Modell:

  • Zusammenführen verschiedener Sanierungsideen für Dach, Fenster und Keller und Diskussion dieser
    • dazu nötig sind weitere Besichtigungen und die Formulierung möglichst konkreter Vorschläge von den verschiedenen Seiten
    • hilfreich wäre auch ein ExpertInnentreffen, zu dem ArchitektInnen, FachberaterInnen und vielleicht auch schon Leute aus dem Selbstorga-Bereich kommen (wobei unklar ist, wie gut letztere mit ersteren klarkommen - da scheinen Befindlichkeiten zu bestehen) - zum Kennenlernen und erstem Austausch untereinander
    • Für die fachliche Diskussion verschiedener Sanierungsbereiche könnte es eine OpenSpace-Konferenz geben. Dort werden Arbeitsbereiche (oder im OpenSpace-Jargon: "OpenSpace-Ecken") gebildet, die einzelne Bereiche diskutieren und den Diskussionsverlauf dokumentieren. Themen der Bereiche wären z.B. Dachrepatur, Heizungsanlage, Abwasser, Elektrik, Kellertrockenlegung, Raumaufteilung, Dämmung etc. Was geeignete "Bereiche" sind, müsste im Vorfeld geklärt werden (z.B. als offenes Brainstorming mit Klärung im Kreis der Planungsinteressierten - dazu sollte möglicherweise eine Mailingliste genutzt werden). Im Idealfall treffen hier verschiedene "Fachleute" zusammen, stellen ihre Vorstellungen vor und diskutieren diese ergebnisoffen. Es müsste nach dieser Ideensammlung und -diskussion eine Entscheidungsphase geben, deren Modalitäten noch zu überlegen sind. Diese OpenSpace-Konferenz würde nicht nur die erste Sanierungsphase betreffen, aber für diese von großer Bedeutung sein, da hier nur wenig zeitlicher Vorlauf besteht. Wichtig für die OpenSpace-Methode ist auch, dass die TeilnehmerInnen (ArchitektInnen, Fachleute, BeraterInnen, Selbstorga-Erfahrene, sonstige Planungsinteressierte) ständig zwischen den Bereichen wechseln können und so die Diskussionsergebnisse von einer Ecke zur nächsten transportieren.
    • Entweder schon auf der OpenSpace-Konferenz oder in der Phase kurz danach ist die Klärung folgender Bereich notwendig:
      • welche Materialien werden gebraucht, woher werden diese beschafft, wer ist dafür verantwortlich?
      • wieviele Menschen werden für welchen Zeitraum gebraucht, wer macht die entsprechende Werbung?
      • welche Fachkompetenzen werden gebraucht, wieviele Menschen sollten in dieser Sanierungsphase vor Ort sein, um fachliche Anleitungen zu geben, wer könnten diese Fachleute sein und wer fragt diese an?
      • wie sieht die Organisation der 1. Bauphase aus (Verpflegung, Unterbringung etc.), wer kümmert sich um diese?
      • wieviel Geld ist nötig (also zusätzlich zu den Sachspenden und ehrenamtlichen Leistungen), wer beschafft dieses von woher?
      • Erarbeitung eines "Plan B", falls diese Konzeption nicht realisierbar ist - und Klärung, wie dieser umgesetzt werden könnte (Zeitplan, Kompetenzen, Finanzen)
    • Die Organisierung der Bauwochen müsste schon im Frühjahr beginnen und dauert dann bis zum Bautermin an. Hierbei sind die Fördermittel für das Workcamp zu beantragen, Werbung zu machen, Kontakte zu internationalen Organisationen herzustellen, Baumaterialien als Spenden zu organisieren, Fachleute als ehrenamtliche UnterstützerInnen anzufragen und konkrete HelferInnen zu finden und mit diesen Kontakt zu halten. Erste Gespräche dazu müssen im Januar oder Februar stattfinden, die internationale Bewerbung spätestens drei Monate vor Beginn des Workcamps erfolgen (besser noch früher). Lebensmittel könnten als Spenden von Biofirmen erfragt werden. Außerdem könnten die Connections des Braunschweiger Umsonstnetzwerkes genutzt werden.
    • Die erste Sanierungsphase würde dann in Form eines mehrmonatigen (zwei oder drei Monate im Sommer) internationalen Workcamps erfolgen. Hier gibt es Erfahrungen bei verschiedenen NGOs, die angefragt werden sollen, um deren Connections und Know-How in diesem organisatorischen Bereich zu nutzen. Diese Bauphase wäre vermutlich von mehreren nacheinander stattfindenden Workcamps mit unterschiedlichen TeilnehmerInnen und zusätzlich von weiteren unabhängig organisierten Menschen geprägt sein, die zudem stark fluktuieren. Nötig ist daher neben der Organisation der Versorgung der Menschen auch die permanente fachliche Begleitung und Neu-Anleitung für die Bauarbeiten.
    • Es könnte beim Workcamp drei grobe Baubereiche geben: Kellertrockenlegung (Ausschaufeln, Fundamentfreilegung, Isolierung der Grundmauern), Fensterreparatur, "Hausputz" (Müll und Schutt aus dem Gebäude holen und in zuvor bereitgestellte (kostenlose?) Bauschuttcontainer füllen. Die entsprechenden Arbeitsgruppen könnten z.B. jeweils eine Woche in einem Bereich arbeiten und dann zum anderen überwechseln. Eine längere Befassung mit einem Bereich wäre sinnvoll, damit nicht ständig neue Einführungen erfolgen müssen und die notwendige Routine und Qualität erreicht wird. Wer unbedingt die ganze Zeit an einem Bereich dranbleiben will, kann das natürlich auch - fair wäre es vor allem gegenüber den FensterflickerInnen, wenn diese immer wieder abgelöst würden, da es sich um eine recht stupide Beschäftigung handeln soll. Die Dachreparatur könnte von einer kleinen weiteren Gruppe in kürzerer Zeit erledigt werden; dies könnte vermutlich aber auch schon vor dem Workcamp erfolgen.
    • Nach dieser Sanierungsphase sollte es eine Zwischenreflexion mit Auswertung, Ziehen von Schlussfolgerungen und Absprachen für den weiteren Planungsprozess geben.

Mängelmeldung

Die Liegenschaften der Stadt baten um Information, wenn bisher unbehobene Schäden (vor allem mit Bezug auf Vandalismusgefahren) entdeckt werden. Nach der Besichtigung wurden dann die folgenden Punkte mitgeteilt - mal sehen, ob sie bis zur nächsten Hausbesichtigung behoben sind:

  • Im Dachgeschoss liegt auf Höhe des Treppenhaus II (auf der Seite des P.i.p.p.e.l.w.e.g.) eine halbverweste Taube. Ein Architekt meinte, diese müsste wegen Seuchengefahr beräumt werden.
  • Die Kellertür zum Innenhof steht offen. In das Haus kommt auf diesem Weg wahrscheinlich niemand, weil der Innenhof ziemlich "tief" liegt - anderthalb Geschosse müssten irgendwie überwunden werden.
  • Ein Fenster im 1. Geschoss (Raum 107) wurde offensichtlich aufgebrochen (zerstörte Scheibe und Holzplatte, die davor geschraubt war). Dieses Fenster ist direkt über das Dach des ersten Geschosses (das Haus ist zur Hälfte eingeschossig) erreichbar. In den vergangenen Monaten gab es scheinbar nochmal eine Menge Vandalismus, da wesentlich mehr Scheiben zerstört waren als noch vor einem halben Jahr. Von den Sanitär- und elektrischen Anlagen im Haus ist auch kaum noch etwas übrig.

Grundstück

Näherer Untersuchung bedarf der Bunker, der sich auf dem Gelände befindet, aber so weit unter Wasser steht, dass ein Betreten mindestens Watthosen erfordert. Auch eine Biotopkartierung des Grundstücks ist geplant und soll erfolgen. Dazu wird es Gespräche für einen gemeinsamen Permakultur-Workshop mit dem Jugendumweltpark geben. Dieser dient dann der Erfassung der Vegetation, einer Einführung in die Permakultur und einer Konzeption für einen Ökogarten auf dem Gelände.

Zu klären ist auch noch, wo genau das Grundstück gegenüber der Immobilie mit der Hausnummer 69a endet, da hierfür keine aktuellen Pläne vorliegen und das Gelände in diese Richtung nicht gekennzeichnet ist.